Das Risiko von Glamour-Aktien

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Zum aktuellen Twitter-IPO und dem besonderen Reiz von Technologie- und Modeaktien habe ich ein Interview für das Manager Magazin Online gegeben. Im Original ist dies hier veröffentlicht worden. Da ich hier viele grundsätzliche Aussagen getroffen habe, möchte ich dieses hier für den Behavioral Finance-Blog konservieren.

mm: Woher komm die Begeisterung für Technologie-Titel vom Schlage einer Twitter oder Facebook - wegen der netten Geschichten?

Hübner: Das liegt vermutlich daran, dass Technologieunternehmen modern wirken, nach Zukunft klingen. Für eine gute Aktienstory bedarf es der Phantasie auf steigende Kurse. Menschen benötigen die Vorstellung, dass ein neues oder bereits etabliertes Unternehmen über genügend Wachstumsperspektiven verfügt. Technologieunternehmen sind da im Vorteil. Unsere Untersuchungen zeigen, dass mit Aktien dieses Sektors in aller Regel positive Erwartungen verbunden sind. Oder können Sie sich vorstellen, dass Daimler jedes Jahr 10% mehr Autos verkauft? Bei Twitter, Facebook und Co. – den sozialen Medien, ist so etwas viel leichter vorstellbar. Dabei wird gerne übersehen, dass diese Unternehmen in der realen Welt ihre Geschäfte machen und nirgendwo die Bäume in den Himmel wachsen. Zudem tendiert die Internet-Ökonomie zum „winner takes all"-Prinzip, bei dem der Markt einem natürlichen Monopol entgegen strebt. Nicht alle Unternehmen werden am Ende gewinnen, am Beginn der Entwicklung werden aber alle als mögliche Gewinner gehandelt. Generell kann man sagen, dass das Risiko einer Aktienanlage bei sogenannten Glamour- oder Modeaktien deutlich höher ist, als bei vermeintlich langweiligen Unternehmen.

mm: Zumeist folgt - siehe Tesla - dann die Enttäuschung.

Hübner: Ja, die Gefahr besteht. Die Anleger-Psychologie spielt dabei eine große Rolle. Vor allem, wenn Anleger dazu tendieren, aus früheren „Erfahrungen" auf neue Gelegenheiten zu schließen. Siehe aktuell Twitter: alle haben gesehen, dass der Börsengang von Facebook ein Erfolg wurde, obwohl das Unternehmen anfangs runtergeschrieben wurde. Warum sollte das bei Twitter jetzt nicht auch klappen, denken sich viele. Die Crux dabei ist, dass dabei eventuell übersehen wird, die Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen zu betrachten. Selbst wenn sich viele Attribute zweier Anlagen ähneln, sind die Unterschiede am Ende doch oft entscheidend. Zudem sollten sich Anleger immer bewusst sein, dass ein gutes Unternehmen noch lange keine gute Aktie sein muss!

mm: Sind wir sowenig lernfähig?

Hübner: Wir Menschen sind nun einmal Menschen. Angst oder Gier sind Gefühle, die uns befeuern und die untrennbar mit uns verbunden sind. Optimismus zum Beispiel lässt Sie eine Arbeit mit Schwung angehen. Das zeigt sich auch an der Börse. Wie entscheidend die Erwartungen und Wahrnehmungen der Anleger für die Börsenkurse sein können, zeigt sich beispielsweise regelmäßig bei den vermeintlich so wichtigen „harten Fakten". Mal ist ein Wachstum von 3% eine positive, mal eine negative Nachricht. Wann das eine und was das andere passiert, hängt von den vorherrschenden Erwartungen und Emotionen der Anleger ab! So wenig wie das Verhalten eines einzelnen Anlegers vorhersehbar ist, so leicht ist es manchmal, das Verhalten einer Anlegergruppe zu antizipieren.

mm: Können Computer die Rolle des rationalen Filters übernehmen?

Hübner: Was nutzt es rational vorzugehen, wenn die Börse immer wieder zu irrationalen Verhaltensweisen tendiert? Solange Menschen an der Börse aktiv sind, wird es zu Übertreibungen kommen - in die eine wie die andere Richtung. Computer können da nur bedingt helfen, da die meisten Modelle das nicht-lineare Element der Börse, dass der Mensch in die Märkte trägt, nicht erfassen können. Zudem mögen die meisten Menschen die Vorstellung nicht, eine Maschine manage völlig autark ihr Geld. Denn jedes Modell hat auch mal eine Schwächephase – und in dieser neigen Menschen schnell dazu, die Kontrolle wieder an sich zu reißen.

mm: Und eine Börse ohne Menschen ist nicht vorstellbar?

Hübner: Das glaube ich nicht. Es könnte theoretisch sein, dass man die Menschen vom Markt vertreibt. Wenn die Algorithmen dann unter sich handeln, dürfte jedoch schnell eine Pattsituation entstehen, die den Handel am Ende zum Erliegen brächte. Die vertriebenen Menschen würden sich aber schnell einen neuen Markt schaffen. Und dieser ist für uns Menschen allemal attraktiver, als dumpfen Maschinen beim gegenseitigen Belauern zuzuschauen. Denn nur der Rendite wegen handeln die wenigsten Anleger. Ein wenig Kick darf, aller Vernunft zum Trotz, auch dabei sein.

 

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