Das Ansteckungsrisiko für andere Länder steigt

Drucken

Nach dem Brexit Schock und dem deutlichen Anstieg Ende Juni beruhigt sich der sentix EBI Index (Euro Break-up In-dex) zum Monatsende Juli 2016. Der Rückgang von 6,8 Punkten auf 20,3 Punkten sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wert immer noch höher liegt als vor der Brexit-Wahl. Die augenscheinliche Ruhe an den Kapitalmärkten hat demnach nicht dazu geführt, dass die Gefahr für ein Auseinanderbrechen der Eurozone nachhaltig gewichen ist. Vielmehr steigt im Hintergrund das Risiko der Ansteckung. Einzelne Länder wie Finnland oder auch Italien markieren neue Jahreshochs in den Länder-EBI-Indizes.

 Auf dem ersten Blick scheint beim EBI Entspannung angesagt zu sein. Der Index, der die Wahrscheinlichkeit eines Auseinanderbrechens der Eurozone misst, fällt im Juli auf 20,3 Punkte. Einen Monat zuvor wurde der EBI genau an dem Wochenende erhoben, als die Briten über einen Verbleib in EU abstimmten. Das schockartige Votum hinterließ auch seine Spuren im EBI. Doch die Reaktion der Anleger einen Monat nach dem Beben sollte ebenfalls aufhorchen lassen. Immerhin konnten die Briten ihr politisches Vakuum im Eiltempo auflösen und auch die Märkte sind in eine nachhaltige Erholungsphase eingetreten. Von einer ebenfalls „nachhaltigen“ Erholung des EBI-Indikators sind wir aber noch weit entfernt, schließlich markiert das Juli-Niveau den zweithöchsten Wert in 2016. Vielmehr als diese Tatsache beunruhigt aber der parallel errechnete Index des Ansteckungsrisikos (rote Linie). Dieser steigt den zweiten Monat in Folge sehr dynamisch auf einen Wert von 36,4 Prozent an und markiert damit ein Niveau, das zuletzt im Oktober 2014 beobachtet werden konnte.

 20160725 ebi hedline

sentix Euro Break-up Index und Index zum Ansteckungsrisiko (Contagion Risk)

Ein Blick auf die einzelnen Länderindizes verrät auch, warum die Gefahr einer Ausbreitung zunimmt. Einzelne Länderindizes klettern nicht nur auf ein neues Jahreshoch, sondern erreichen teilweise sogar Allzeithöchststände. Noch nie in der EBI Geschichte lag der Wert für Italien auf einem solchen Niveau. Die Anleger nehmen in beiden Ländern (finanz-)politische Strömungen war, welche die Wahrscheinlichkeit für einen Austritt nachhaltig erhöhen. Den laufenden Prozess in Finnland können wir bereits seit Mitte 2015 beobachten. Mit dem Brexit-Ereignis haben nationalistische Strömungen neue Nahrung bekommen und schüren die Austrittsdiskussionen. Auch in den Niederlanden kann man einen ähnlichen Prozess beobachten, wobei der EBI für die Tulpenhochburg zuletzt leicht rückläufig war. Für Italien zeigt aber der nationale EBI steil nach oben. Hintergrund dürfte der Rettungsversuch italienischer Banken sein, der die finanzielle Solidität Italiens abermals in Frage stellt. Dass der Anstieg einzelner Länderindizes im krassen Missverhältnis zu den Renditeunterschieden („Spreads“) zu deutschen Staatsanleihen steht, ist den Käufen der EZB geschuldet. Die wahren Risiken, welche über Spreads eigentlich eingepreist werden müssten, reflektieren sich bislang nicht in den Bondkursen. Ohne die schützende Hand der EZB wären deutlich höhere Renditeaufschläge bei italienischen Staatsanleihen erforderlich.

 20160725 ebi it fin

sentix Euro Break-up Index Finnland und Italien

 

Hintergrund

Der monatlich erscheinende sentix Euro Break-up Index wird seit Juni 2012 jeweils in der vierten Woche eines Monats erhoben und am darauffolgenden Dienstagmorgen veröffentlicht. Die befragten Anleger haben die Möglichkeit, bis zu drei Länder zu nennen, mit deren Euro-Austritt sie innerhalb der nächsten zwölf Monate rechnen. Weitere Details zum sentix Euro Break-up Index sowie aktuelle Werte finden Sie unter http://ebr.sentix.de.
Der aktuelle Wert des sentix Euro Break-up Index in Höhe von 20,3% bedeutet, dass zurzeit genau dieser Anteil der befragten Anleger mit dem Ausscheiden mindestens eines Landes aus der Eurozone innerhalb der nächsten zwölf Monate rechnet. Seinen vorläufigen Höchststand hatte der sentix EBI mit 73% im Juli 2012 erreicht. Sein Minimum stammt mit 7,6% aus dem Juli 2014.
An der aktuellen Umfrage, die vom 21.07. bis zum 23.07.2016 durchgeführt wurde, beteiligten sich 1.003 Investoren.

We use cookies to personalize our content, to auto-login to our website and to improve your experience when using it. Cookies used for the essential operation of the site have already been set. To find out more about the cookies we use and how to delete them, see our privacy policy.

I accept cookies from this site.

EU Cookie Directive Module Information