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sentix Strategischer Bias

sentix Strategischer Bias

Der sentix Strategische Bias ist die 6-Monats-Erwartung der Anleger. Er wird wöchentlich für 14 Finanzmärkte erhoben und stellt die Grundüberzeugungen und Wertvorstellungen der befragten Investoren zu den jeweiligen Märkten dar. Da der Indikator eine grundlegende Kauf- oder Verkaufsbereitschaft signalisiert, sollte er nicht antizyklisch bewertet werden, zumal der Strategische Bias in der Regel dem Gesamtmarkt vorausläuft. Weil der Strategische Bias überwiegend längerfristige Überzeugungen und Wertvorstellungen der Investoren widerspiegelt, ist er ein Indikator, der von der „Weisheit der Vielen“ geprägt ist: In ihm findet sich das verstreut im Markt liegende, heterogene Wissen gebündelt wieder.

In Kombination mit anderen sentix-Indizes können besonders lohnenswerte Ein- oder Ausstiegszeitpunkte für die verschiedenen Märkte gefunden werden. Ein prominentes Beispiel ist die Verknüpfung mit dem kurzfristig orientierten sentix Sentiment. Dabei sollte idealtypischer Weise das Sentiment in seiner Ausprägung dem Wert des Strategischen Bias entgegenstehen. Herrscht z.B. ein hoher Strategischer Bias vor, bietet sich meist ein besonders guter Einstiegspunkt, wenn das zugehörige Sentiment niedrig notiert – und umgekehrt. Siehe hierzu auch die Erläuterungen zum sentix Zeitdifferenz Index. (Link)

Ermittelt wird der Strategische Bias aus der wöchentlichen sentix-Umfrage unter über 4.000 privaten und institutionellen Anlegern, deren Einschätzungen zu 14 Finanzmärkten eingeholt werden.

Wie man den Indikator nutzt

sentix Strategischer Bias und DAX IndexDer sentix Strategische Bias stellt die Grundüberzeugungen der Anleger dar. Er schwankt deutlich weniger als das kurzfristige sentix Sentiment, bildet typischer Weise länger anhaltende Trends aus und hat in der Regel einen Vorlauf vor der Entwicklung des betrachteten Marktes. Der Strategische Bias ist deshalb im Gegensatz zum sentix Sentiment nicht konträr zu interpretieren, sondern als Richtungsindikator zu verstehen. Er kann somit für längerfristige Anlageentscheidungen genutzt werden.

Diese – für Sentimentindikatoren der Finanzmärkte ziemlich einmalige – Eigenschaft ist der Tatsache zu verdanken, dass sentix seit Beginn seiner Erhebungen im Jahr 2001 neben den 6-Monats-Erwartungen für die verschiedenen Märkte auch die jeweiligen 1-Monats-Erwartungen abfragt. Dabei fungieren die 1-Monats-Erwartungen, das sentix Sentiment (Link), als Filter für die Emotionen der Anleger. Die 6-Monats-Erwartungen fangen dagegen die längerfristigen Überzeugungen der Investoren ein. Sentimentindikatoren, bei denen die Erwartungen nur auf eine (meist mittlere) Frist abgefragt werden, tragen erfahrungsgemäß sowohl Emotionen als auch Grundüberzeugungen in sich und sind deshalb schwieriger zu interpretieren.

Weil der Strategische Bias überwiegend längerfristige Überzeugungen und Wertvorstellungen der Investoren widerspiegelt, ist er ein Indikator, der von der „Weisheit der Vielen“ geprägt ist: In ihm findet sich das verstreut im Markt liegende, heterogene Wissen gebündelt wieder. Seine Eigenschaft als vorlaufender Richtungsindikator kann an den hier dargestellten Grafiken abgelesen werden. Besonders beeindruckend war 2012 und 2013 der trendmäßige Vorlauf des Strategischen Bias beim USD-JPY-Wechselkurs. Ähnliches gilt für die – noch glatter verlaufenden – Strategischen Bias-Zeitreihen für Gold sowie Rohöl und ihre zugehörigen Preise. In manchen Phasen kommt es zu besonders großen zeitlichen Vorläufen des Strategischen Bias vor den entsprechenden Marktpreisen. Die Entwicklungen der beiden Zeitreihen können in solchen Fällen auch über längere Zeit hinweg einander entgegensetzt verlaufen. Es bieten sich dann häufig außergewöhnliche Chancen von anstehenden Marktbewegungen zu profitieren. Anschauliche Beispiele finden sich in den hiesigen Abbildungen für deutsche und US-amerikanische Aktien im Frühjahr und Sommer 2011 (Abb. 1 und 2) oder für chinesische Aktien im zweiten Halbjahr 2012 (Abb. 3).

Der sentix Strategische Bias eignet sich ferner für Intermarket-Betrachtungen, da er für alle 14 Finanzmärkte nach derselben Methode und jeweils zur selben Zeit erhoben wird. Bei entsprechend gegensätzlichen Entwicklungen des Strategischen Bias für zwei Märkte können diese gegeneinander „gespielt" werden. Um diese Entwicklungen vergleichbar zu machen, empfiehlt sich eine Normalisierung der Datenreihen, also die Verwendung von Z-Scores.

Auch zur Ermittlung des richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt in bzw. aus Märkten ist der Strategische Bias einsetzbar. Es ist allerdings sinnvoll, sich bei einer solchen Entscheidung nicht ausschließlich an ihm zu orientieren. Vielmehr steht eine Reihe weiterer sentix-Indizes zur Verfügung, die in Kombination mit dem Strategischen Bias das Timing optimieren:

Zunächst bietet es sich an, zusätzlich die sentix Anlegerpositionierung zu berücksichtigen, die für Aktien- und Rentenmärkte erhoben wird. Die Positionierung folgt in der Regel dem Strategischen Bias. Eine Anpassung verläuft hier aber bisweilen zögerlich, wenn z.B. Risikobudgets knapp bemessen oder sonstige institutionelle Hemmnisse vorhanden sind. Hat sich die Positionierung bereits in die Richtung des Strategischen Bias entwickelt und liegt sie dann sogar in Extrembereichen, besteht das Risiko, dass der betrachtete Markt nicht mehr in die gegebene Richtung „atmen“ kann und somit – trotz einer ausgeprägten Grundüberzeugung – eine preisliche Korrektur auftritt.

Der sentix Konjunkturindex und der sentix Styles Index sind ebenfalls geeignet, um den Strategischen Bias zu flankieren. Sie helfen zu identifizieren, was letzteren antreibt – sich verändernde Konjunkturerwartungen z.B. oder auch durch eine sich wandelnde Risikoaversion, die sich in den Zeitreihen des sentix Styles Index widerspiegelt. Schließlich ergänzt für den europäischen Aktienmarkt das sentix Sektor Sentiment den Strategischen Bias: An ihm kann abgelesen werden, welche Branchen bei den Anlegern gerade „en vogue“ sind und ob die aktuelle Ausprägung des Strategischen Bias zur typischen Rotation zwischen defensiven und offensiven Titeln passt.

Auf die Kombination des Strategischen Bias mit dem sentix Sentiment ist bereits weiter oben (im einleitenden Text) eingegangen worden. Eine konkrete Kombination von Sentiment und Strategischem Bias, die zum Timing verwendet werden kann, ist der sentix Zeitdifferenz Index (Link). 

Abbildungen und Beispiele

Am Aktienmarkt

sentix Strategischer Bias und S&P500      sentix Strategischer Bias und CSI300 (China-Aktien)
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An anderen Märkten

sentix Strategischer Bias und USD-JPY      sentix Strategischer Bias und Gold
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sentix Strategischer Bias und Rohöl
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Indikatorkonstruktion

Fragenkatalog

sentix Umfrage - Fragestellung Strategischer Bias

Anmerkung: Dargestellt ist hier beispielhaft die Fragestellung aus der Original-Umfrage für den deutschen Aktienindex DAX. „Bullish" steht für die Erwartung steigender Kurse, „bearish" für die Erwartung fallender Kurse. Zusammen mit den 6-Monats-Erwartungen („Strategischer Bias") werden auch die 1-Monats-Erwartungen („Sentiment") abgefragt. So ist es möglich, die Emotionen der Anleger („Sentiment") von deren Grundüberzeugungen („Strategischer Bias") zu trennen.

 

Berechnungsformel

sentix Strategischer Bias - Berechnungsformel 

Anmerkung: „Bullen" sind diejenigen Anleger, die mit steigenden Kursen rechnen, Bären diejenigen Anleger, die von fallenden Kursen ausgehen.

Deskriptive Statistik

sentix Strategischer Bias - Deskriptive Statistiksentix Strategischer Bias, Deskriptive Statistik - Quelle: eigene Berechnungen

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